Viorica
Rares |
Multiple Behinderungen korrigiert
War es Zufall oder Fügung, dass Dr. Thomas Mauch bei seiner letzten Rumänienfahrt wegen Zollproblemen etwas Zeit übrig hatte? Ein rumänischer Lehrer, mit dem die Rumänienhilfe schon seit langem zusammenarbeitet, machte ihn jedenfalls in der Wartezeit auf die 12jährige Viorica Bindea aufmerksam. Das Mädchen leidet unter verschiedenen Behinderungen:
Offener Rücken, Harninkontinenz und verkrüppelte Füsse. Dr. Mauch war sofort klar, dass eine zufriedenstellende Heilung aller dieser Symptome vermutlich nur in Deutschland möglich sei, weshalb die Rumänienhilfe Mintraching sich sofort einverstanden zeigte, das Mädchen nach Deutschland zu holen.
Auch wenn alle Vereinsmitglieder und die behandelnden Ärzte kostenlos arbeiten, entstehen bei einem derartigen Hilfsprojekt immer sehr hohe Zusatzkosten, die der Verein aus dem normalen Spendenaufkommen nicht bewältigen kann! Deshalb musste das Projekt in den Medien bekannt gemacht werden. Da ein Hilfsverein aber grundsätzlich aus Optimisten bestehen muss, wurden parallel bereits alle Vorbereitungen für einen Deutschlandaufenthalt getroffen:
Wie schon mehrmals erklärte sich Olga Krieger bereit, Mutter und Tochter Bindea für die Dauer des Aufenthalts in ihrem Haus aufzunehmen. Eli Hendlmeier führte alle notwendigen Telefonate und stellte sich als Dolmetscherin zur Verfügung. Dr. Mauch erstellte einen „Therapieplan" und nahm Kontakt zu verschiedenen Ärzten und Krankenhäusern auf.
Erfreulicherweise lief die Spendenaktion so gut an, dass Viorica schon bald nach Deutschland geholt werden konnte. Doch um die orthopädischen Maßnahmen durchführen zu können, mussten zuerst die urologischen Probleme gelöst werden. Durch das ständige Nassliegen hatte das Mädchen große Geschwüre an den Innenseiten der Oberschenkel, die erst abheilen mussten.
Um die Harninkontinenz ganz abzustellen, wurde ein Blasenkatheter gelegt. Jetzt konnte der orthopädische Teil der Aktion starten: Die Füsse wurden in zwei aufwendigen Operationen gedreht und mit Fixateuren stabilisiert. Diese Hilfen mussten mehrere Wochen den Fuß in der richtigen Stellung halten. Viele Wochen pflegten sie Klaus Lang und Olga Krieger, weil sie ja mit den Fixateuren stark eingeschränkt war.
Viorica bekam zunächst provisorische Sandalen, dann Fixationsschienen und später orthopädische Schuhe von der Fa. Reiss und lernte nach zusätzlicher Krankengymnastik durch den Landsmann Victor Pascu mühsam, auf den Fußsohlen zu gehen.
Allein damit, dem Mädchen das Laufen beizubringen, ist aber nur ein Teil ihrer Probleme gelöst: Obwohl Viorica normal intelligent ist, hat sie (wegen ihrer Blasenschwäche) bis heute die Schule nicht besucht. In Deutschland wurden erste Versuche gemacht, ihr Lesen und Schreiben beizubringen. In Rumänien wurde eine Nachhilfelehrerin für Privat-Unterricht eingesetzt. Da sich die Probleme mit der Blase zwar mindern, aber nicht ganz beheben lassen, mussten im Elternhaus in Rumänien unbedingt die sanitären Verhältnisse verbessert werden: Dazu wurde in Zusammenarbeit des nun betreuenden Familienausschusses mit dem Bauausschuss ein Anbau an das Haus mit Küche und Bad erstellt. Diese Arbeiten wurden von einem rumänischen Helfer ausgeführt.
Nach mehrmonatigen Reha-Maßnahmen im 12 Km entfernten Beclean ist Viorica jetzt (fast) ein Mädchen wie alle anderen.
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