Claudiu

 Carmen | Daniela

Große Trauer um den an Leukämie verstorbenen Jungen

 

Als Mitglieder des Vorstands der Rumänienhilfe Mintraching im Juli 2004 in Rumänien unterwegs waren, um die weitere Arbeit zu planen und zu koordinieren, wurden sie gebeten, in der Kinderonkologie in Klausenburg den 11-jährigen Claudiu Gavri zu besuchen. Wir wussten durch vorhergehende Kontakte von Verwandten von Claudiu in Deutschland mit Professor Dr. Johannes Wolff von der Kinderonkologie der Hedwigs-Klinik in Regensburg, dass Claudiu an einer B-Zell-Leukämie mit morphologischer Klassifikation L 3 leidet.

Im Krankenhaus in Klausenburg wurde uns von der behandelnden Ärztin gesagt, dass die Behandlungsmöglichkeiten in Rumänien erschöpft seien und dass für Bluttransfusionen entsprechendes Blut für Claudiu, der eine sehr seltene Blutgruppe hat, nicht verfügbar sei. Andererseits sei Claudiu (noch) transportfähig und nur eine Behandlung in Westeuropa könne ihn retten. Wir versprachen nach Rückkehr von unserer Rumänienreise mit dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, zu dem die Hedwigs-Klinik gehört, Kontakt aufzunehmen.

Bis aber die Verhandlungen in Regensburg abgeschlossen werden konnten, hatte die Familie in einem Akt der Verzweiflung Claudiu ins Auto gepackt und nach Regensburg gebracht, wo sich die Verwandten in Thalmassing intensiv mit Beherbergung der Mutter (und Claudius, wenn er nicht in der Klinik sein musste), Dolmetscherdiensten etc. optimal engagierten. Dankenswerterweise hatte die Hedwigs-Klinik, Herr Prof. Dr. Wolff, den Jungen aufgenommen und mit der sofortigen Behandlung begonnen. Dies wurde vom Gesamtleiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, Herrn Dr. Siedhoff, akzeptiert mit der Bemerkung: “das Krankenhaus dürfe sich nicht kirchliches Krankenhaus nennen, wenn die Bezahlung die Voraussetzung für medizinische Hilfe sei...“.

Es stellte sich dann heraus, dass von der Kinderonkologie in Klausenburg ein falsches Therapieprotokoll gewählt wurde und Claudiu dort wenig Überlebenschancen gehabt hätte. Andererseits schlug die Behandlung in Regensburg sehr gut an und man konnte Hoffnung haben, dass Claudiu geheilt werden kann, zumal Prof. Dr. Wolff erklärte, dass eine Heilungschance zu 95 % bestehe.
Claudiu hatte zwar jeweils nach den Chemotherapie-Einheiten fürchterliche Folgewirkungen mit Ausschlägen, Verätzung der Speiseröhre etc., aber die Heilung schien voranzuschreiten und es sah so aus, dass nach Abschluss der Chemotherapie eine vollständige Genesung abzusehen sei.

Anfang Dezember waren die Rückreise von Claudiu nach Rumänien geplant, die „Dankeschön-Kuchen“ gebacken, ein kleines Abschiedsfest vorbereitet und die Abreise festgelegt. In diese optimistische Stimmung platzte der erschreckende Befund, dass Claudiu ein Rezidiv erlitten habe und dass sich Tumore im Hirn und im Rückenmark gebildet hätten. Eine Bestrahlungstherapie im Klinikum der Universität Regensburg brachte keine Besserung und das Wachstum der Tumore nicht zum Rückgang, so dass die Heilungs- und Überlebenschancen von Claudiu immer geringer eingeschätzt werden mussten. Die kinderonkologische Station der Hedwigs-Klinik war aber auch bereit, Claudiu bis zum Ende zu pflegen und ihm in seinem Zimmer die Situation eines Hospizes mit gleichzeitiger Unterbringung der Eltern im selben Zimmer zu ermöglichen.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Verwandten von Claudiu erfahren, dass es in Rumänien ein Kloster gäbe, in dem ein Arzt sei, auf den größte Hoffnungen für Heilung auch in Fällen wie bei Claudiu gesetzt werden könnten. Deshalb fuhr die Familie mit Claudiu am 17. Februar zurück nach Rumänien, um dort Heilung für den Jungen zu finden. Am 6. März erreichte uns die Nachricht, dass Claudiu in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 01.00 Uhr gestorben ist.


Bei aller Betroffenheit und Trauer haben wir vielen Menschen und Organisationen zu danken: dies gilt in erster Linie der kinderonkologischen Station der Klinik St. Hedwig des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Als einer, der über Wochen hinweg die Pflege- und Betreuungsbemühungen der Schwestern und Pfleger dieser Station erleben konnte, kann ich nur dankbar bestätigen, dass dort nicht nur mit hoher Professionalität, sondern auch mit beeindruckender Empathie und überzeugender Liebe zum einzelnen Kind die Pflege und Behandlung durchgeführt wird. Zu dieser Atmosphäre passt auch das sehr sympathische, sowohl fachlich wie menschlich beeindruckende Bemühen sowohl des Leiters der onkologischen Station, Prof. Dr. Johannes Wolff, des Oberarztes Dr. Ove Peters und der anderen Ärztinnen und Ärzte der Station. Sowohl mit Claudiu als auch mit seiner Mutter, die ihr Kind über all die Monate hinweg begleitete und nicht von seiner Seite wich, wurde äußerst empfindsam und wertschätzend Umgang gepflegt. Auch die Einbeziehung der Eltern in diese Station bis hin zu einem Elternzimmer, einem Elternbeirat usw. war beeindruckend.

Der weitere Dank gilt all den Personen, die sich außerhalb der Familie um Claudiu bemüht haben, vor allem der Familie Wenzel aus Thalmassing, den Verwandten von Claudiu, aber auch Mitgliedern der Rumänienhilfe-Mintraching, darunter vor allem Dr. med. Thomas Mauch und 1. Vorstand Erwin Drexler.

Dank gilt aber nicht zuletzt den Sponsoren, die diese Behandlung überhaupt möglich gemacht haben. Von den zahlreich angeschriebenen Stiftungen und Vereinen waren es drei, die massive Hilfe leisteten: „BILD hilft e.V. - EIN HERZ FÜR KINDER
in Hamburg, der zunächst 80.000 Euro zur Behandlung von Claudiu genehmigte und beim Rezidiv noch weitere 20.000 Euro zur Verfügung stellte; Stiftung ANTENNE BAYERN hilft in Ismaning/München, die 5.000 Euro zur Verfügung stellte und die Kinderkrebshilfe Hildegard Kölzer aus Reisbach, die 10.000 Euro beitrug. Zu danken ist auch dem Verein zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder Ostbayern e.V. (VKKK), der die Mutter von Claudiu mitbetreute und sie immer wieder, z. T. auch mit ihrem Kind, im sogenannten Elternhaus des Vereins in der Nähe der Hedwigs-Klinik wohnen ließ. Ebenfalls zu Dank verpflichtet sind wir den Medien, die uns bei der Einwerbung von Spenden geholfen haben wie der Mittelbayerischen Zeitung Regensburg, dem Lokalsender Charivari und dem Sender Sat.1., die zusammenhalfen, so dass wir ca. 10.000 Euro an Spenden hier vor Ort in Regensburg bekamen.

Wir trauern um Claudiu und fühlen uns seinen Eltern verbunden. Wir hoffen aber auch, dass sie Trost finden in der Gewissheit, dass Claudiu in einem besseren Leben bei Gott seinen Frieden und seine Freude gefunden hat.



Helmut Heiserer

 




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